Außer Kurven hat Korsika noch einiges mehr zu bieten.

Neben einer äußerst wechselvollen Geschichte gibt es einige nette Anekdötchen zur Karriere vom einfachen Mohr zum korsischen Nationalsymbol. Land und Leute sind mindestens ebenso spannend, wie die Geschichte der Türme, die überall an den Küsten anzutreffen sind. Besondere Highlights sind die korsische Musik und die spezielle Küche, die  (außer biken) wesentliche Reize der Insel ausmachen

 

 

Die Geschichte

I. Neolithikum und Bronzezeit

6570 v. C.


4000 - 1000 v. C.

2000 -   800 v. C.

Alter des ältesten Menschenfundes, die „Dame von Bonifacio“, zu sehen im Museum von Levie (Tour 16)

Megalithkultur; in dieser Zeit entstehen die Dolmen (Steintische) und Menhire (Steinsäulen) , z. B. Cauria, Filitosa

Die Zeit der Torreaner; die Herkunft ist nicht ganz geklärt. Nach neueren Erkenntnissen stammen die Torreaner von den Megalithikern ab. Von ihnen stammen die Felsburgen, z. B. von Cucuruzzu und Torre.

  II. Antike und frühes Mittelalter

500 v. C. - 300 n. C. 

 


400 - 1000

Zuerst gründen die Griechen Alalia (Aleria) und Palla (Bonifacio), dann folgen die Syrakusaner und gründen Porto-Syrakusanus (Porto-Vecchio). Als nächstes siedeln sich Etrusker und Karthager an. Schließlich landen die Römer. Die heutige korsische Sprache geht auf den lateinischen Ursprung zurück. Gegen Ende der römischen Herrschaft setzt die Christianisierung ein.

Vandalen, Byzantiner und Sarazenen fallen über die Insel her und sorgen für Furcht und Schrecken.

III. Pisanische Herrschaft

1100 - 1300 

Pisa erhält vom Papst den Auftrag, die Verwaltung der Insel zu übernehmen. Die nächsten 200 Jahre herrscht reichlich Frieden. Die ersten Wachtürme an den Küsten entstehen.

  IV. Genuesische Herrschaft

1300 - 1729

Genua gewinnt die „Seeschlacht von Meloria“ gegen Pisa und damit die Vorherrschaft im Tyrrhenischen Meer und über Korsika. Die Zeit der Aufstände bricht an: das Volk gegen den Adel, der Adel gegen Genua, Genua gegen Aragon. Die Küste wird verturmt, die Zitadellen entstehen und die beliebten Brücken.

Schließlich erscheinen die Franzosen zum ersten Mal auf der Bildfläche. Sampiero Corso (siehe Tour 13) macht den Franzosen seine Heimatinsel schmackhaft und erobert Korsika mit Frankreichs Hilfe. Die französische Herrschaft hält nur sechs Jahre (1553-1559). Dann hat Genua die Lage wieder im Griff.

V. Korsische Unabhängigkeit

1729 - 1769

Nach einer ungeschickten Steuererhöhung rebelliert das Volk. Es kommt zu Aufständen gegen die genuesischen Machthaber. Nach vorübergehender Beruhigung unter Einflußnahme der Franzosen flackern die Kämpfe wieder auf. Schließlich ruft Pascal Paoli (siehe Tour 3) die „Regierung der korsischen Nation“ aus (1755) und verdrängt die Genueser weitgehend von der Insel.

VI. Französische Herrschaft

1769

 

1793 - 1795


Ende 19. Jhdt.

1942 -43

 

1957  

1971

1975

1982

1989


1991  

1998

2000

Von Genua um Hilfe gebeten, gewinnt Frankreich die Schlacht bei Ponte-Nuovo gegen Paolis Truppen. Weil Genua die Zeche dafür nicht zahlen kann, fällt Korsika an Frankreich. Wenige Monate später wird Napoleon Bonaparte in Ajaccio geboren.

Kurz-Intermezzo der Engländer unter Anführung des aus dem Exil zurückgekehrten Paoli. Nach 2 Jahren gibt England die Insel kampflos an die Franzosen zurück. Paoli geht endgültig ins Exil nach England.

Ausbau der Infrastruktur und Eröffnung der Eisenbahnlinie.


Korsika ist besetzt von deutschen und italienischen Truppen.


Start eines Entwicklungsprogramms zur Förderung von Landwirtschaft und Tourismus.

Einrichtung des Naturparks

Einteilung in die beiden Départments Haute-Corse und Corse-du-Sud

Wahl der ersten korsischen Regionalversammlung

Wahl des ersten korsischen Politikers in das Europaparlament in Straßburg

Frankreich gewährt Korsika Autonomierechte u. a. in den Bereichen Kultur, Soziales und Erziehung, Wohnungsbau  

Ermordung des korsischen Präfekten Claude Erignac

der neue Präfekt Bernard Bonnet wird überführt, 2 Strandkneipen abgefackelt zu haben, was er den Nationalisten in die Schuhe schieben wollte und wird für 3 Jahre weggesperrt ("affaire des paillottes").

 

Der korsische Mohr

Auf vielen Rückseiten von Automobilen und Motorrädern sieht man ihn als Aufkleber auch in heimischen Gefilden. Doch nur Insider wissen, daß es sich dabei um das Freiheitssymbol der Korsen handelt: ein schwarzer Männerkopf mit krausem Haar und weißem Stirnband.  

Woher stammt das Symbol ? Wer ist dargestellt, ein Mohr oder ein Maure ? Was hat es mit dem charakteristischen, weißen Stirnband auf sich ?

Um es vorwegzunehmen, die Experten kommen zu keiner eindeutigen Aussage. Es ranken sich etliche Legenden um seine Entstehung, jedoch eines steht fest: im Jahr 1762 wurde der Mohrenkopf mit dem Stirnband von einer Consulta unter Pascal Paoli zum offiziellen Wappen und Symbol für den Freiheitskampf der Korsen bestimmt.

Einer Legende nach entführte ein arabischer Herrscher eine junge Korsin im 13. Jahrhundert nach Granada als Sklavin. Ihr korsischer Verlobter reiste hinterher und holte sie wieder zurück nach Aleria, was wiederum dem arabischen Fürst nicht passte. Also schickte er einen seiner Getreuen wieder nach Korsika. Es kam zum Kampf zwischen

dem Araber und dem Verlobten, der schließlich als Sieger hervorging. Als Zeichen des Triumphes schlug der junge Korse dem Mauren den Kopf ab, spießte ihn auf eine Lanze und reckte ihn hoch in den Himmel. Diese Geschichte wurde über Generationen weitergegeben und veranlaßte schließlich die Consulta zur Auswahl dieses Symbols.  

Eine andere Legende rankt sich vor allem um das Stirnband. Nachdem die Pisaner zusammen mit den Genuesern die Mauren besiegt hatten, sollte ein Gefangener hingerichtet werden. Dazu verband man ihm die Augen mit einem weißen Tuch. Der Araber wollte jedoch sehenden Auges sterben. Dazu schob er das Tuch hoch zur Stirn und symbolisierte damit Mut und Stolz; Attribute, mit denen sich die Korsen heute noch gerne identifizieren.

Realistischer erscheint den Geschichtsforschern der Ursprung des Symbols in Aragon zu sein. In der Zeit des Machtgerangels zwischen Pisa und Genua setzte der Papst den „König von Aragon“ als Verwalter für Korsika und Sardinien ein, um „Ruhe in die Kiste“ zu bekommen. Aragons Flagge wies bereits vier Mauren, verteilt um ein Kreuz auf, das vermutlich aus den Siegen über die Araber während den Kreuzzügen hervorgeht (Sardinien besitzt heute noch dieses Symbol). Vincentellu d’Istria, ein Korse in Aragons Diensten und Erbauer der Zitadelle in Corte, kämpfte gegen die pisanischen und genuesischen Besatzer. Er brachte es bis zum Vize-König, wurde aber bald von den Besatzern geschlagen und in Genua hingerichtet.

Dennoch war damit die Idee einer korsischen Monarchie geboren und hielt sich bis zur kurzen Amtszeit von Theodor von Neuhoff, dem ersten und einzigen König Korsikas. Auf einer zeitgenössischen Darstellung von 1736 ist der König mit dem Wappen zu sehen, das bereits einen Mauren abbildet. Doch hier hat der Maure die Augen verbunden mit einem Tuch, das Paoli später als Zeichen der Freiheit zum Stirnband umfunktioniert haben soll.

Andere sehen wiederum den Ursprung für das Stirnband im antiken Griechenland, wonach die hellenistischen Herrscher sich nach einer gewonnenen Schlacht ein weißes Stirnband als Zeichen des Sieges umbanden.

Zur Frage, ob Maure oder Mohr gibt es auch nur Vermutungen. Demnach geht man überwiegend von einem braunhäutigen Araber aus. Im Lauf der Zeit verfärbten sich die Darstellungen ins Schwarze, dann noch ein Ring ins Ohr und fertig war er, der korsische Mohr.

 

Die Genuesertürme

Überall an den Küsten sind sie zu sehen, die bis zu 20 Meter hohen und 10 Meter im Durchmesser betragenden, wuchtigen Türme. Die meisten von ihnen sind zu Ruinen verkommen. Andere werden seit kurzer Zeit durch private Initiativen restauriert und können besichtigt werden, wie zum Beispiel der Turm von Porto (der ist allerdings Einer der wenigen aus der pisanischen Epoche).  

Im 15. Jahrhundert kamen die Überfälle durch nordafrikanische Seeräuber (Sarazenen) so richtig in Mode. Sie verbreiteten Angst und Schrecken unter den korsischen Einwohnern, denn sie plünderten alles, was sie kriegen konnten, mordeten und verschleppten Tausende in die Sklaverei. 

 Um sich vor diesen Überfällen zu schützen, entwickelten die Genueser neben dem Bau der Zitadellen von Ajaccio, Bastia, Bonifacio, Calvi, Porto-Vecchio und St. Florent dieses einzigartige Verteidigungssystem, namens Torregiana. Es war billiger als eine eigene Schutzflotte und bestand aus einer Kette von Türmen, die in Sichtweite um die gesamte Küste verteilt war. So kamen immerhin an die 150 Stück in 3 Jahrhunderten zusammen, von denen noch etwa die Hälfte als mittlerweile „historische Monumente“ erhalten sind.  
Die genuesischen Türme wurden in Rundform gebaut. Noch aus der pisanischen Zeit stammen die viereckigen Türme von Porto, Nonza, Pino, Morsiglia und Toga. Die Eingänge waren in ca. 5 Meter Höhe angeordnet und nur über Leitern erreichbar, die im Ernstfall hochgezogen wurden. Besetzt waren die Türme ständig mit 2 bis 4 Mann. Sobald ein feindliches Schiff am Horizont auftauchte, entzündeten die Wachleute auf der obersten Plattform ein Feuer, das von der benachbarten Turmmannschaft wahrgenommen wurde, die ihrerseits ein Feuer entzündeten. So konnte die Meldung innerhalb von wenigen Stunden um die gesamte Insel geschickt werden. Die Bevölkerung hatte so genug Zeit, sich rechtzeitig ins schwer zugängliche Hinterland und in Sicherheit zu bringen.  

Zu den schönsten Türmen zählen die von Porto, Nonza (am Cap Corse) und Campomoro (bei Propriano), die auch besichtigt werden können.

 
Das Land

Allgemeines

Mit 8720 km² Fläche ist Korsika gerade mal halb so groß wie Schleswig-Holstein und hinter Sizilien und Sardinien die drittgrößte Insel im westlichen Mittelmeer. Mit einer Länge von 183 Kilometern und einer Breite von 83 Kilometern besitzt sie über 1000 Kilometer Küste, davon 300 Kilometer Strandabschnitte. Korsika hat keine Industrie, deren Abwässer die Küsten verschmutzen könnte. Seit Jahren ist die Wasserqualität des Mittelmeeres im Vergleich zu den anderen Küsten hier absolut vom Feinsten. Mit einer Jahres-Durchschnittstemperatur von knapp 20 Grad an der Küste ist die Insel prädestiniert für einen wunderschönen Badeurlaub.

Doch das allein macht noch nicht die Faszination aus, die von Korsika ausgeht. Es sind die extremen Unterschiede und die Vielfalt seiner Landschaften. Keine 25 Kilometer hinter der Küste erhebt sich der 2706 Meter hohe Monte Cinto, Korsikas höchster Berg. Außerdem erreichen über 50 Gipfel eine Höhenniveau von über 2000 Metern. Mit einer Durchschnittshöhe von 600 Metern liegt Korsika deutlich höher als seine beiden größeren Nachbarn.  

Wo große Höhenunterschiede sind, da gibt es auch viel Regen und Schnee. Diese Niederschläge sammeln sich in Flüssen und Seen. Dadurch ist Korsika im Gegensatz zu den meisten Mittelmeerinseln von einer Vielzahl von glasklaren Flüssen, Bächen und Bergseen durchzogen, die auch im Sommer teilweise üppig Wasser führen. Bei entsprechenden Außentemperaturen lässt es sich in den Gumpen der Flüsse herrlich Baden.   
Und wo viel Wasser ist, da ist auch oft viel Wald. Ein Drittel der Gesamtfläche ist mit Laub- und Nadelwald bedeckt. Damit erhöht sich leider auch im Sommer das Risiko von Waldbränden, die Korsika in jedem Jahr übel mitspielen. Was nicht gerade von Wald bedeckt ist, wird meistens von der Macchia überzogen. Sie besteht aus bis zu 6 Meter hohem Gestrüpp, das sich wie ein Teppich über das Land legt und im Frühling wie eine Gewürzkammer duftet. Napoleon sagte einmal: „Korsika erkenne ich mit verbundenen Augen am Geruch“. Und das ist tatsächlich nicht übertrieben.
Das Klima ist an den Küsten mediterran, das heißt sehr trockene und heiße Sommermonate und milde Winter. Interessanterweise liegen die Durchschnittstemperaturen im Norden höher als im Süden. Ajaccio ist die französische Stadt mit der höchsten Sonnenscheindauer (2900 Stunden im Jahr).  

Ab 1200 Höhenmeter spricht man vom alpinen Klima, mit sehr kalten und schneereichen Wintern. Im Spätherbst wird Korsika oft von heftigen Stürmen mit starken Regenfällen heimgesucht. Dann schwellen die Flüsse stark an und richten wüste Zerstörungen an, zuletzt im Winter 1993/94 (siehe Tour 16).  

 
Geologisches

Korsika und Sardinien bilden gemeinsam einen kleinen Kontinent. Im Erdmittelalter trennte sich dieser Kontinent von der Provence ab und wanderte ganz allmählich auf einer Kreisbahn im Gegenuhrzeigersinn bis in seine heutige Lage. Das heißt, daß der Golf von Porto ganz früher mal in der Nähe von Nizza lag; ist allerdings schon ein paar Milliönchen Jahre her.

Die korsischen Hauptgebirge entstanden zur gleichen Zeit wie die Alpen, im Tertiär. Man unterscheidet im Wesentlichen 4 Gebiete: die kristalline Zone, die Schieferzone, die Bruchzone und das Schwemmland.

Die kristalline Zone nimmt die größte Fläche ein und besteht überwiegend aus Granitgestein. Sie ist sehr schroff gefaltet, mit Steilabfällen zum Meer hin und verläuft westlich einer Linie L’Ile Rousse  - Corte - Solenzara. In ihr zieht sich die zentrale Bergkette S-förmig vom Nordwesten bis nach Südosten mit den wichtigsten Gipfeln Monte Padro (2393 m), Monte Cinto (2706 m), Monte Rotondo (2622 m), Monte Renoso (2352 m) und Monte Incudine (2136 m).

Östlich dieser Linie, einschließlich dem Cap Corse, verläuft die Schieferzone, die mit dem Schwemmland zwischen Bastia und Solenzara zum Meer hin abschließt. Das Mittelgebirge weist nicht diese extremen Höhenunterschiede auf. Der höchste Berg ist der San Petrone (1767 m) in der Castagniccia.

Beide Hauptzonen werden von der sogenannten Bruchzone miteinander verbunden. Wie ein schmales Band verläuft die Senke zwischen den so unterschiedlichen Gebirgen. Am deutlichsten präsentieren sich die Unterschiede bei Corte, wo beide Zonen direkt gegenüberliegen und durch die Flüsse Golo und Tavignano voneinander getrennt werden.

Die Menschen

Zur Zeit leben ungefähr 240 000 Einwohner auf Korsika. Jedoch nur die Halfte davon sind echte Korsen. Der Rest wird gebildet aus Festlandfranzosen, repatriierten Afrikafranzosen, vornehmlich aus Algerien und Einwanderern aus derselben Ecke („Les Arabs“ genannt). Die Hälfte der Einwohner verteilt sich auf die beiden Hauptstädte Ajaccio und Bastia.

Die Bevölkerung ist eines der großen Probleme Korsikas. Aufgrund der schlechten Arbeitsplatzsituation suchen viele junge Korsen ihr Glück auf dem Festland, um dann im Alter wieder zurück zu kommen auf ihre Insel. Das hat dazu geführt, daß heute viermal so viele Korsen außerhalb Korsikas leben wie auf der Insel selbst, auf der wiederum das Problem der Überalterung herrscht. Seit einigen Jahren versucht man verstärkt Arbeitsplätze zu schaffen, um die Insel wieder attraktiv zu machen für die jungen Leute. Dazu gehören entsprechende Ausbildungseinrichtungen wie zum Beispiel an der Universität in Corte oder die Besinnung auf korsische Kultur und Tradition und den damit verbundenen Beschäftigungsmöglichkeiten. Die Corsicada, eine Vereinigung korsischer Kunsthandwerker wäre dafür ein Beispiel.

Die Korsen sind ein sehr stolzes Volk. Sie legen Wert auf ihre eigenständige Entwicklung und wollen nicht als Franzosen angesehen werden. Die Sprache ist ein Beispiel dafür. Für Besucher hört sie sich an wie eine Kreuzung aus Italienisch und Französisch. Tatsächlich basiert die Sprache auf den lateinischen Ursprüngen der Römerzeit vor 2000 Jahren. Danach hat sie sich eigenständig weiterentwickelt. Mit der französischen Herrschaft wurde Französisch als Amtssprache eingeführt.

Seitdem kämpfen die Korsen um eine Anerkennung ihrer eigenen Sprache. Am deutlichsten wird das dem Besucher, wenn er die übersprühten Ortsschilder sieht, zum Beispiel Morosaglia in Merusaglia oder Corte in Corti. Die Schildernamen sind überwiegend italienisch (Genua stellte beim Verkauf an Frankreich in 1769 als einzige Bedingung, daß die Ortsnamen italienisch bleiben sollten. Das wurde ihnen gewährt). Mit kleinen Schritten faßt die Anerkennung der Sprache allmählich Fuß. Den Ortsverbänden wird es zum Beispiel mittlerweile selbst überlassen, ob sie neue Ortsschilder mit den alten Namen aufstellen wollen (Porto heißt heute wieder Portu). Korsisch kann in Corte studiert werden und wird von der französischen Regierung mittlerweile als „Regionalsprache“ offiziell anerkannt. Somit darf sie an Schulen unterrichtet werden, hat jedoch immer noch nicht den Status eines Pflichtfaches, was viele Korsen fordern.  

Die gemeinhin nachgesagte Abneigung der Korsen gegen alle Franzosen ist so nicht richtig. Die Korsen gelten allgemein als militant und leicht reizbar. Angesichts der Ausbeutung seit vielen Jahrhunderten ist das eigentlich auch kein Wunder. Die Aggressionen, die schon mal in der Sprengung einer französischen Behörde, eines Supermarktes oder einer französischen Ferienanlage gipfeln sind jedoch nie gegen Menschen gerichtet und werden von einigen wenigen, radikalen Gruppen wie zum Beispiel der 1983 verbotenen FLNC („Fronte di Liberazione Naziunale Corsu“) durchgeführt. Diese Aggressionen richten sich jedoch nicht gegen „Ausländer“ im allgemeinen, sondern gegen Institutionen, die zur Ausbeutung der Insel beitragen, das heißt, wenn Gelder auf Kosten der Korsen erwirtschaftet werden und nicht dem korsischen Volk in irgendeiner Form wieder zugeführt werden.

Als Tourist bekommt man normalerweise davon wenig zu spüren. Er sieht vielleicht die eine oder andere gesprengte Ruine (Skiort Val d’Ese, Supermarkt bei Propriano, Ferienanlage bei Linguizetta, Diskothek im Restonica-Tal, usw.) und etliche zugesprühten Hauswände (insbesondere französische Banken). Im Umgang mit den Korsen sollte man jedoch trotzdem vorsichtig sein. Die Korsen habe ich als sehr freundlich und hilfsbereit kennengelernt. 

Gegenüber Motorradfahrern gibt es überhaupt keine Vorurteile. Im Gegenteil, unterwegs ist es mir schon häufig passiert, daß mir die Leute zuwinkten und mir spontan ihre Hilfe anboten, als sie mich ratlos mit der Karte in der Hand vor einer unbeschilderten Kreuzung stehen sahen. Keiner hat mir ein Foto von sich untersagt, nachdem ich ihn vorher höflich darum gebeten hatte. In Kneipen wurde ich manchmal schon regelrecht mit Pastis auf Kosten des Hauses oder des Spenders abgefüllt, nachdem sie bemerkt hatten, da interessiert sich jemand nicht nur für die schärfsten Frauen, sondern auch für Land und Leute und deren Lebensbedingungen. Die Korsen wollen respektiert werden als Menschen und als Gastgeber. Sie erwarten, daß sich jeder Besucher auch entsprechend verhält. Ich denke, daß da nicht zuviel verlangt wird und jeder damit nicht überfordert wird, wenn er sich dessen bewußt ist.

Korsen erregen sich sehr schnell und greifen auch schnell zur Waffe. Ich kenne Fälle, wo Wildcamper nur noch ihre Haut retten konnten und Auseinandersetzungen, die für manchen mit geknickten Knochen endeten und sogar in einem Fall für einen jungen Deutschen tödlich, von Schrotkugeln durchsiebt. Damit möchte ich niemanden abschrecken, aber es sollte sich jeder seiner Gastrolle bewußt sein. Dann ergeben sich viele freundschaftliche Begegnungen, an die man sich immer wieder gerne erinnern wird.  

 
Die Musik

Korsen gelten als schwermütig. Das macht sich auch in ihren Liedern bemerkbar. Sie wirken oft getragen und irgendwie düster. Auch die Inhalte haben oft das Leid und den Tod zum Thema. Es gibt verschiedene Gesangsformen, die aus früheren Zeiten überliefert wurden.

Die Lamenti sind Klagelieder, die nur von Frauen anläßlich der Beerdigung eines natürlichen Todesfalles angestimmt wurden. Es sind Sprechgesänge mit frei improvisierten Versen, die vom Leben des Verstorbenen handeln und sehr leidenschaftlich vorgetragen werden.

Die verschärften Versionen sind die Voceri, die angestimmt wurden, wenn der Verstorbene ermordet wurde. Die Vendetta (korsisch: Blutrache) war bei den Korsen sehr beliebt, um sich für irgendetwas an irgendjemandem zu rächen. Bei diesen Gesängen erklang oft der Ruf nach Vergeltung, der dann in einer weiteren Vendetta seine Fortsetzung fand.

An kirchlichen Feiertagen und bei Festen stimmten die Männer die Paghjella (lateinisch: Paar) an. Es ist ein getragener, mehrstimmiger Gesang, der von 3 bis 4 Sängern a capella (ohne Instrumente) vorgetragen wird. Dabei stehen alle Drei nebeneinander und halten sich ein Ohr zu, um sich besser auf die eigene Stimme konzentrieren zu können.

Eine weitere Liedkunst ist der Chjame e Rispondi, ein Wechselgesang, bei dem sich zwei Sänger eine Art musikalisches Wortgefecht liefern, das von der Improvisation lebt und der Reiz im Einfallsreichtum der Sänger liegt.

Viele korsische Gruppen haben das alte Liedgut inzwischen wiederentdeckt und mit modernen Rythmen und Instrumenten modern verpackt. Gesungen wird selbstverständlich in korsisch. Seit ein paar Jahrzehnten erfreut sich diese Art von Volksmusik nicht nur auf der Insel wachsender Beliebtheit.

Die bekannteste Gruppe sind die „I Muvrini“ (korsisch: „die kleinen Mufflons“) aus Taglio-Isolaccia, die auch auf dem Festland mittlerweile Konzertsäle füllen. Mittlerweile sind sie sogar fast jährlich auf Tournee in Deutschland. 

Vater Ghulio Bernardini begann vor 25 Jahren mit seinen Söhnen Alain und Jean François ganz bescheiden mit einer Gitarre. Ihre korsischen Gesänge waren damals fast revolutionär. Sie schreiben ihre Lieder selbst, aber im alten, korsischen Stil und zeitgemäß aufgepeppt. Meistens geht es in ihren Liedern um die Anerkennung der korsischen Sprache und Kultur, Gleichberechtigung und ein friedliches Nebeneinander. Gerade im Sommer sind sie auf der Insel oft unterwegs und geben Open-Air-Konzerte.

Weitere bekannte Gruppen sind „I Chjami Aghjalesi“, „Canta u Populu Corsu, "Diana di l'Alba" und „A Filetta“. Seit einem Konzert von „I Muvrini“ im Theater von Bastia träumt mein Kumpel Andreas nur noch von einer „California und „I Muvrini“ über die Lautsprecher, das sei das wahre Biker-Feeling.  

Empfehlenswerte CD’s (Leider recht teuer):

I Muvrini:
"a voce Rivolta"
I Muvrini:
"au Zenith"
Canta u Populu Corsu:
"Memoria"
Chjami Aghjalesi:
"cuntrasti e Ricuccate"
Diana di l'Alba:
"Pueta"