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Tour 05 – Im Land der Bären

Slowenien Karte Tour05

i Kurz Check05 03 Suha Krajina

Streckenlänge
ca. 250 km

Charakter
einfach; die Straßenbeschaffenheit ist überwiegend gut. Die wenig befahrenen Überlandstrecken erlauben eine flotte Fahrweise und zügiges Fortkommen.

Highlight
Die Slowenen wissen, warum sie die Landstraße 105 von Jugorje pri Metliki nach Novo Mesto gerne für offizielle Bergrennen absperren.

Einkehr-Tipp
Das Hotel-Restaurant Oštarija, Sokolski trg 2 in Dolenjske toplice bietet slowenische Speisen in Vollendung.
Man merkt den Betreibern die Leidenschaft an ihrem Job an.

Reservierung empfohlen.
Täglich geöffnet außer Montag und Sonntagabend
Tel.: 051 262 990
E-Mail: jernej.jarc@ostarija.si
Weitere Infos unter www.ostarija.si

Absolutes Muss
Auf der idyllischen Terrasse des Gourmet-Tempels Berryshka in Obrh in Möbeln aus Weinfässern einen Fensi Smensy-Cocktail schlürfen.

 

Einst war die Region Kočevski Rog von deutschen Aussiedlern dicht bevölkert. Nach deren Vertreibung holte sich die Natur verlorenes Terrain zurück. Mit dem Wald kamen die Bären, Wölfe und jugoslawische Partisanen zum Kampf gegen vorrückende feindliche Verbände. Heute ist es eine fast menschenleere, fantastische Naturlandschaft mit herrlichen Bikerstrecken.

Ausgangspunkt für unsere Tour ist Žužemberk. Der Ort liegt malerisch oberhalb der Krka, dem wichtigsten Gewässer in der Region. Aushängeschild ist jedoch die gleichnamige Burgruine, die zu den größten Sloweniens gehört. Ein Großteil wurde jedoch im Zweiten Weltkrieg zerstört. Teile der Ringmauer und inzwischen restaurierte Türme geben immer noch ein imposantes Bild ab. Im Sommer finden hier Musikveranstaltungen und Mitte Juli ein Mittelalterfest statt. Wir folgen der Krka flussaufwärts bis zum Abzweig nach Kočevje auf die Landstraße 649. Nach Überquerung des Flusses, der im Oberlauf noch recht zahm seine Bahn zieht, erklimmen wir erste sanfte Höhen der Suha Krajina-Region. Sie gilt als ausgesprochen wasser- und nährstoffarm, aufgrund des durchlässigen Kalkbodens. Dadurch gehört sie zu den wirtschaftlich ärmsten Regionen in Slowenien. Das zeigt sich auch auf unserer Strecke: kaum Verkehr, mittelprächtiges, schmales Sträßchen, kaum Landwirtschaft, ärmlich wirkende Dörfer, aber dafür eine fantastische Mittelgebirgsnatur. Wir streifen durch Mischwälder, die von weitläufigen Wiesen durchzogen sind. Zwischendurch auch wieder einige Schotterabschnitte, die jedoch keine Probleme bereiten. In Žvirče biegen wir links ab und fahren über Hinje bis zur Einmündung in die Landstraße 214. Dort schwenken wir nach rechts und steuern auf Kočevje zu, den geschichtsträchtigen Hauptort der Region Kočevski Rog. Die Gegend ist nahezu menschenleer, und es sagen sich hier nicht nur Fuchs und Has‘ gute Nacht. Hier tummelt sich auch eine der größten Bären-Populationen in Europa. Auf dreihundert bis fünfhundert Braunbären wird die Anzahl geschätzt. Hinzu gesellen sich Wölfe, Luchse, Hirsche und Rehe. Ein offenes Picknick sollte man also in dieser Gegend möglichst vermeiden, so friedlich einem die Natur auch hier begegnet. Das Dorf Stari Log ist eine der wenigen Ansiedlungen auf unserer Strecke. Am Ortsausgang zeigt ein Warnschild eine kurvenreiche Strecke an, die wir sogleich freudig in Angriff nehmen. Und tatsächlich, der Straßenbelag mausert sich, und wir passen unseren Fahrstil den herrlichen Kurven an. Zunehmend gesellen sich einheimische Biker hinzu. Die Strecke scheint einschlägig bekannt und beliebt zu sein. So beliebt, dass sogar die Polizei Kontrollen am Ortseingang von Gorenje durchführt, die Einzige während unserer Zeit in Slowenien.

Wir kommen nach Kočevje, das ehemalige deutschstämmige Gottschee, das im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört wurde. Es gibt nur wenige Sehenswürdigkeiten. Die alles überragende Stadtkirche St. Bartholomäus, direkt an der Rižna, gehört zu den größten Kirchen Sloweniens. Schräg gegenüber, auf der anderen Straßen- und Flussseite befindet sich eine super leckere Bäckerei für den keinen Hunger zwischendurch.

 TIPP 1! Gottschee – Eine deutsche Geschichte 

Die Region um Kočevje war vom 14. Jhdt. bis 1941 von deutschen Auswanderern besiedelt. Bis zu 28.000 Einwohner verteilten sich auf 180 Dörfer im sogenannten Gottscheer Land. Sie besaßen eine eigene Kultur und einen eigenen Dialekt und bewirtschafteten Felder, die heute vergessen und wieder von dichtem Wald überzogen sind. Um den mit den Nationalsozialisten verbündeten Italienern die Osterweiterung zu ermöglichen, wurden die Gottscheer zwangsumgesiedelt an die Ufer der Sava, der damaligen deutschen Grenze zu Italien und zerstreut. 600 Jahre deutsche Siedlungsgeschichte wurde innerhalb eines Jahres vernichtet.

Wir folgen der Landstraße 106 in Richtung Süden. Die Vororte ziehen sich entlang der Straße bis kurz vor Livold. Hinter dem Ort haben wir jedoch wieder freie Fahrt, und es folgt einer der schönsten Streckenabschnitte bis zur Kolpa, dem Grenzfluss zu Kroatien. Die ordentliche Straße schwingt sich in langen, übersichtlichen Kurven über sanfte Hügel am Rande des weitläufigen Tals. Ausladende Wiesen sind durchzogen von vereinzelten Waldparzellen. Dicht bewaldete Hügelketten begrenzen den Horizont. Zum Stalcerski Preval-Pass auf 584 Metern wird der Wald dichter und die Kurven enger. Auf einer Strecke von 22 Kilometern cruisen wir durch diese wunderschöne Landschaft. Wenige Kilometer vor der Landesgrenze geht es hinab zum Ufer der Kolpa.

Bei Fara biegen wir links ab und folgen dem Flusslauf. Das Dorf macht einen netten Eindruck mit seinen schmucken, intakten Häusern und der tollen Lage. Einige Bewohner haben direkt am Flussufer kleine Gärten, wo sie ihre Feste feiern. Seit 2016 haben sie jedoch keinen direkten Zugang mehr zum Fluss. Ein Stacheldrahtzaun schirmt sie an der Grenze zu Kroatien ab. Wir erfahren, dass die Slowenen nicht gut auf die Kroaten zu sprechen sind, unter anderem, weil sie viele Flüchtlinge ungehindert nach Slowenien weiterschicken. Deshalb hat sich die slowenische Regierung gezwungen gesehen, die Grenze mit einem Zaun abzuriegeln, ähnlich der ungarischen Vorgehensweise und Argumentation. Unser schmales Sträßchen verläuft im Grunde sehr reizvoll direkt am Ufer entlang, wenn da nicht der Zaun das Bild vermiesen würde. Irgendwann endet der Zaun, und wir haben ungehinderten Blick auf den stark strömenden Fluss. Auf kroatischer Seite türmen sich die Felsen steil auf. Flüchtlinge kämen hier nicht über den Fluss, deshalb brauche man keinen Zaun, heißt es.

Die Straße ist durchgehend einwandfrei asphaltiert und hat eher den Charakter eines Fahrradweges. Prompt begegnen uns auch zunehmend Radfahrer und Wanderer. Entlang der Strecke sind Picknickplätze eingerichtet mit Sitzgelegenheiten und teilweise sogar mit Dixi-Toiletten. Auf der Kolpa überholen uns Raftingboote mit lautem Geschrei. Wir kommen nach Dol, inmitten eines beliebten Feriengebiets. Die Kolpa fließt hier sehr ruhig, sodass sogar Baden möglich ist. Nach der Überquerung des Dolu-Bachs, einem kleinen Nebenflusses der Kolpa, biegen wir rechts ab in Richtung Vinica. Hinter dem Campingplatz Muhvič verlassen wir die Kolpa und erklimmen über Serpentinen den Hang bis zur Einmündung in die Landstraße 919 bei Stari Trg. Eine herrliche Hochebene mit einer menschenleeren Wald- und Wiesenlandschaft empfängt uns, die nach wenigen Kilometern in dichten Wald übergeht.

 ÜbernachtungsTIPP 1! 

Der Campingplatz Kolpa, Srednji Radenci 2, bei Stari trg ob Kolpi bietet viel Platz auf einem weitläufigen Wiesenstück.
Auch Blockhäuser können angemietet werden.

Geöffnet von Anfang Mai bis Anfang Oktober
Tel.: 051 205 159
E-Mail: info@kolpa-adventures.com
Weitere Infos unter www.kolpa-adventures.com


Hinter Špeharji bietet sich uns ein Panoramablick bis weit ins ebenso wenig besiedelte kroatische Hinterland. Wir bleiben oberhalb des Kolpa-Tals und lassen es auf der neuen Straße geschmeidig laufen bis nach Vinica. Am Abzweig nach Črnomelj gönnen wir uns erstmal eine Verschnaufpause im leckeren Eiscafé an der Straße. Die Strecke bleibt sexy. Abwechselnd Wald- und Wiesenabschnitte ohne nennenswerte Höhenunterschiede, durch die sich die top asphaltierte Landstraße in langen Kurven zieht. Črnomelj, die Hauptstadt der Region Bela Krajina mit immerhin fast 6.000 Einwohnern, ist bald erreicht. Unser nächstes Ziel ist Novo Mesto, deshalb entscheiden wir uns für die westlich verlaufende Umgehungsstraße. Nördlich von Črnomelj wird zunehmend mehr Landwirtschaft betrieben. Weinberge und Maisfelder lockern das hügeliger werdende Landschaftsbild auf. Bei Ručetna vas biegen wir in freiem Gelände rechts ab auf die Landstraße 421. Hinter Kal wird die Straße schmaler und rumpeliger, dafür mit umso ausgeprägteren Steigungs- und Gefällabschnitten. Dieser Streckenabschnitt währt jedoch nur kurz, denn bei Jugorje pri Metliki stoßen wir auf die Landstraße 105, die gerne für offizielle lokale Bergrennen genutzt wird. Warum das so ist, spüren wir bereits auf den ersten Kilometern. Vor uns liegt eine wahre Kurvenorgie auf feinem Asphalt, die uns zunächst auf der Ideallinie über den 615 Meter hohen Vahta-Pass und danach nur noch bergab bis nach Novo Mesto führt. Ein Besuch der Altstadt aus dem 14. Jhdt. lohnt sich. Malerisch erhebt sie sich auf einem Hügel, zu drei Vierteln umarmt von einer Schleife der Krka.

Weiter geht es auf der Landstraße 664 in Richtung Semič, zunächst durch dicht bebautes Gelände und an Weinbergen und Maisfeldern vorbei. Immer an der Bahn entlang und mit wechselnden Straßenzuständen, kommen wir nach abwechslungsreicher Überlandfahrt nach Semič, wo wir rechts abbiegen nach Žužemberk. Wieder liegt eine herrliche Wald-Wedelstrecke vor uns, die uns über den Brezovica-Pass führt und kurvenreich bis nach Podturn. Uns zieht es wieder tief hinein in die Abgeschiedenheit des Kočevski Rog-Gebirges. Diesen Umstand wussten auch die jugoslawischen Partisanen unter Marschall Tito zu nutzen, denn ganz in der Nähe hatten sie ein Hauptquartier, das besichtigt werden kann. Hierzu fahren wir in Podturn zunächst ein kurzes Stück geradeaus und biegen nach 500 Metern nach links ab in Richtung „Rog-Baza 20“. Nach weiteren sechs steilen Kilometern bergauf, zweigt ein Weg links ab zum legendären Partisanen-Versteck.

 TIPP 2! Baza 20 – Leben im Schatten des Waldes 

In den Jahren 1943/ 44 organisierten jugoslawische Partisanen den Widerstand gegen vorrückende Faschisten in Verstecken in den Wäldern, die nicht entdeckt wurden. Das wichtigste Lager war Baza 20. In 26 Holzhütten lebten bis zu 140 Bewohner. Es gab Druckereien, Schulen, Krankenhäuser und Büros. Sie werden heute als Freilichtmuseum in Schuss gehalten mit Ausstellungen und Informationstafeln entlang des Weges.

Das Freigelände ist jederzeit zugänglich.
Ausstellung 4 € Eintritt
Geöffnet von April bis Oktober, außer montags


Bevor wir nach Dolenjske Toplice weiterfahren, statten wir noch der Schokoladen-Manufaktur und Schnapsbrennerei Berryshka in Obrh einen Besuch ab. Neben Führungen kann man im Café die Spezialitäten testen und im Shop z. B. Lavendel-Schokolade, Aronia-Likör oder diverse Duftöle kaufen.

Nähere Infos unter www.berryshka.com


Schließlich kommen wir nach Dolenjske Toplice, einem der ältesten Kurorte Europas. Die Gründung des Thermalbads geht bis ins 17. Jhdt. zurück. Heute lässt sich im Wellnesscenter Balnea ausgiebig kuren.

 ÜbernachtungsTIPP 2! 

Das Hotel Pri mostu, Pionirska cesta 2 in Dolenjske Toplice, ist frisch renoviert und geschmackvoll und modern eingerichtet, ausgestattet mit rustikaler Bar und tollem Biergarten direkt am Haus und an der Sušica. Zentrale Lage im Ort, unweit der Therme.

Ganzjährig geöffnet
DZ (incl. Frühstück) 57-71 €/ Tag
Tel.: 041 755 363
E-Mail: info@primostu.si
Weitere Infos unter www.primostu.si

Wir kommen zur Brücke über die friedlich dahinfließende Krka und folgen dem Abzweig zurück nach Žužemberk.
Das Tal ist relativ flach und unspektakulär. Und so lassen wir unsere Tour gemütlich entlang der Krka ausklingen.

 

Tour 05 – Im Land der Bären

Kontakt

Christoph Berg
Dipl.-Ing. (BA) + Reisejournalist
info[@]bike-and-smile.de

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